Grimm sala bim

Hans-Jürgen Lenharts

spielerisch-humoristischer Märchen-Remix für Erwachsene, die Kinder geblieben sind.

Irgendwann war das fällig: Hans-Jürgen Lenhart, wie die Brüder Grimm in Hanau geboren, und zudem Sprachspieler und humoristischer Literat, macht in seinem neuen Programm „Grimm sala bim“ den Märchen-Onkel. Ähnlich wie ein moderner Discjockey mixt er aber die Märchen literarisch neu auf. Dabei sind nicht nur unglaubliche neue Versionen entstanden, er hat auch eigene Märchen geschrieben, die vor Kreativität nur so strotzen. Dass dabei die Brüder Grimm im Mittelpunkt stehen, ist naheliegend. Für die Zuhörer wird es ein unterhaltsames Mitraten sein und wer sich drauf einlässt, wird „mit Froschgeschenkeln überhäuft“ werden.

Lenhart setzt dabei zwar einerseits auf die bekannten Märchen wie „Schneewittchen“, andererseits hat er auch in die Urfassung der Märchen der Brüder Grimm von 1810 geschaut und dort insbesondere kaum bekannte Märchen wie z. B. den „Dümmling“ aufgegriffen. Vielfältiger könnten seine Methoden kaum sein. Er collagiert verschiedene Märchen zu einem stimmigen neuen Märchen oder er verkürzt sie auf Zweizeiler für die Twitter-Generation. Sein „Wehschnittchen“ ist Sprachspiel pur, beinhaltet alle Märchen gleichzeitig, bedient sich aber der wortschöpferischen Sprache mancher Texte aus Lewis Carolls „Alice im Wunderland“. Manche Märchen haben meist unerwartete Wendungen, springen von der Sprache der Romantik – in der die Grimmsche Sammlung entstand - in die Jetztzeit. Lenhart wird damit beiden Seiten der Brüder Grimm gerecht, ihrer Rolle als Märchensammler wie ihrer Rolle als Forscher der deutschen Sprache.

Auch die Verschmitztheit eines Robert Gernhardt, schimmert durch Lenharts Märchen-Remixe durch. Beide begegneten sich in den 1990ern zu einem Gedankenaustausch. Lenharts Märchenfassungen in Gedichtform oder die Umkehrung typischer Klischees in Märchen sind letztlich im Geiste Gernhardts gedacht. So sind Lenharts Prinzessinnen nicht immer die passiven, die von Prinzen heimgeführt werden, sondern bestimmen ihr Schicksal auch mal selbst. Und auch Lenharts alternative Schlüsse seiner Märchen zeigen einen Touch der Neuen Frankfurter Schule. Doch er wagt auch kleine Experimente, wie es ein Remix auch letztlich ist: Das „Do-it-yourself-Märchen“ ist letztlich nur noch Versatzstück eines bekannten Märchen-Klassikers und er spielt oft mit typischen Floskeln aus Märchen. An anderer Stelle erzählt er ein Märchen nur mit Fremdwörtern oder stellt die Frage, warum es hundert Jahre gedauert hat, zum Dornröschen vorzudringen. Auch eigene Texte, in denen er die typische Märchensprache verwendet, stellt er vor. Wie immer kann man einen Abend erwarten zwischen Humor und kreativem Experiment, neuen Sichtweisen gegenüber Märchen und unterhaltsamen Erzählungen, die die Zuhörer auch nicht außen vor lassen. Lenharts Märchen sind nicht unbedingt wie „nach Grimms Ebenholz geschnitzt“, aber oft „prinzelt es im Gesträuch“.