GRIMM SALA BIM

Hans-Jürgen Lenharts

spielerisch-humoristischer Märchen-Remix für Erwachsene, die Kinder geblieben sind.

Hans-Jürgen Lenhart, wie die Brüder Grimm in Hanau geboren, und zudem Sprachspieler und humoristischer Literat, macht in seinem Programm „Grimm Sala Bim“ den Märchen-Onkel. Ähnlich wie ein Discjockey mixt er die Märchen literarisch neu auf. Dabei sind witzige Versionen entstanden, die vor Kreativität nur so strotzen. Dass dabei die Brüder Grimm im Mittelpunkt stehen, ist naheliegend, zudem Lenharts Sprachspiele die Grimms auch als Sprachforscher würdigen. Sein „Wehschnittchen“ ist z. B. Sprachspiel pur, beinhaltet viele Märchen gleichzeitig, bedient sich aber der wortschöpferischen Sprache mancher Texte aus Lewis Carolls „Alice im Wunderland“. Für die Zuhörer wird es ein unterhaltsames Mitraten der Märchen sein.

Lenhart setzt zwar auf die bekannten Märchen wie „Schneewittchen“, er collagiert aber auch verschiedene Märchen zu einem stimmigen neuen Märchen. Vielfältiger könnten seine Methoden kaum sein. Einmal verkürzt er Märchen auf Zweizeiler für die Twitter-Generation, dann schreibt er eines für Roboterkinder um. Und er lässt auch die Brüder Grimm lebendig werden, nur anders als man denkt und ein klein wenig respektlos.

Die Verschmitztheit eines Robert Gernhardt, schimmert durch Lenharts Märchen-Remixe durch. Beide begegneten sich öfters in den 1990ern. Lenharts Märchenfassungen in Gedichtform oder die Umkehrung typischer Klischees in Märchen sind letztlich im Geiste Gernhardts gedacht. So sind Lenharts Prinzessinnen nicht immer die passiven, die von Prinzen heimgeführt werden, sondern bestimmen ihr Schicksal auch mal selbst. Erwarten kann man einen Abend zwischen Humor und kreativem Experiment, neuen Sichtweisen gegenüber Märchen und unterhaltsamen Erzählungen, die die Zuhörer auch nicht außen vor lassen.

Video-Link: "Wehschnittchen"